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Für Wimpernstylistinnen · Geld und Geschäft

Auf die Frage, was du verdienst, gibt es keine Zahl. Es gibt eine Rechnung.

Wer wissen will, was bei einer selbstständigen Wimpernstylistin am Monatsende übrig bleibt, findet überall Beträge. Die sind alle wertlos, weil sie aus einer fremden Miete, einem fremden Einkauf, einer fremden Auslastung und einem fremden Kalender stammen. Auf dieser Seite steht deshalb keine Zahl, sondern der Weg zu deiner eigenen, samt der Posten, die fast alle vergessen.

Umsatz ist, was reinkommt. Verdienst ist, was bleibt.

Der häufigste Denkfehler beim Start sieht so aus: Behandlungspreis mal Anzahl der Termine, fertig ist das Monatseinkommen. Diese Rechnung beschreibt deinen Umsatz, und Umsatz ist die Zahl, die durch dein Studio durchläuft, nicht die, die bei dir ankommt. Zwischen beiden liegt alles, was du bezahlst, damit ein Termin überhaupt stattfinden kann.

Deshalb sagt der Preis pro Behandlung fast nichts über deinen Verdienst aus. Zwei Stylistinnen können dieselbe Preisliste haben und trotzdem in völlig verschiedenen Welten leben: die eine arbeitet im Nebenzimmer der eigenen Wohnung, die andere zahlt Ladenmiete in einer Fußgängerzone. Die eine schafft eine Neuanlage in der Zeit, in der die andere mit einem Auge fertig ist. Die eine hat einen vollen Kalender, die andere zwei feste Tage. Vier Unterschiede, und schon ist jeder Vergleich der Preislisten sinnlos.

Genau daran scheitern die Verdienstartikel, die im Netz kursieren. Sie multiplizieren einen Preis mit einer angenommenen Terminzahl und nennen das Ergebnis Einkommen. Dass davon Material, Raum, Steuern, Beiträge, Ausfallzeiten und unbezahlte Arbeitsstunden abgehen, taucht selten auf, und wenn, dann als runde Pauschale, die niemand hergeleitet hat. Wer mit so einer Zahl in die Selbstständigkeit geht, erlebt die Korrektur im zweiten Jahr, wenn die erste Steuernachzahlung kommt.

Ein Termin beginnt nicht bei der ersten Wimper

Die zweite große Lücke in jeder Verdienstrechnung ist die Zeit. Gerechnet wird meist mit der Behandlungsdauer, bezahlt werden muss aber die Türzeit: von dem Moment, in dem du für diesen Termin den Raum vorbereitest, bis zu dem Moment, in dem du nach der Desinfektion wieder aufnahmebereit bist. Vorbereitung, Beratung im Termin, Behandlung, Verabschiedung, Desinfektion, Aufräumen, Wäsche, Dokumentation. Nichts davon ist optional, und alles davon gehört in die Rechnung.

Der Effekt ist am größten dort, wo die Behandlung kurz ist. Ein Auffülltermin nach zwei bis drei Wochen dauert weniger lang als eine Neuanlage, die Türzeit drumherum schrumpft aber kaum mit, weil Vorbereitung und Desinfektion gleich bleiben. Wer den Auffüllpreis aus der Behandlungsdauer ableitet, arbeitet an genau dieser Terminart am günstigsten, und weil Auffülltermine den größten Teil des Kalenders ausmachen, zieht dieser eine Fehler den ganzen Monat runter. Wie du die Türzeit sauber misst und was danach mit deinem Stundensatz passiert, steht ausführlich im Ratgeber Preise erhöhen im Wimpernstudio, deshalb wiederhole ich den Rechenweg hier nicht.

Was zwischen dem Preis auf der Liste und dir steht

Sammle diese Posten, bevor du irgendetwas hochrechnest. Jeder einzelne kommt in echten Studios vor, und jeder einzelne fehlt in den meisten Verdienstangaben.

  • Material pro Behandlung. Wimpern, Kleber, Primer, Remover, Pads, Tape, Handschuhe, Reinigungsschaum, Wäsche. Teile die Packungspreise durch die Anzahl der Behandlungen, die du damit tatsächlich schaffst.
  • Raum. Miete oder anteilige Wohnkosten, Nebenkosten, Strom, Reinigung, Einrichtung und deren Ersatz.
  • Geräte und Verschleiß. Liege, Lampe, Luftreiniger, Pinzetten, Hygrometer, Sterilisation. Nichts davon hält ewig, und der Ersatz fällt genau dann an, wenn du ihn nicht eingeplant hast.
  • Laufende Fixkosten. Terminsoftware, Website, Domain, Zahlungsanbieter, Telefon, Werbung, Verbrauchsmaterial im Hintergrund.
  • Weiterbildung. Kurse, Übungsmaterial, Anfahrt, und die Arbeitstage, an denen du dafür nicht am Stuhl sitzt. Der zweite Teil kostet oft mehr als der erste.
  • Versicherungen. Betriebshaftpflicht, Inhalt, alles, was zu deiner Situation gehört. Was du wirklich brauchst, klärst du mit jemandem, der deinen Betrieb kennt, nicht über eine Checkliste im Internet.
  • Steuern und Sozialversicherung. Beides gehört nicht dir, auch wenn es auf deinem Konto liegt. Wie hoch deine Rücklage sein muss, sagt dir deine Steuerberatung, und nur die.
  • Rücklagen für Stillstand. Krankheit, kaputte Geräte, eine ruhige Phase nach einem Umzug. Ohne diesen Posten ist jede Störung sofort ein Problem.

Diese Liste wirkt beim ersten Lesen erschlagend. Sie ist aber der Unterschied zwischen einer Zahl, die dich beruhigt, und einer Zahl, auf die du dich verlassen kannst. Und sie erklärt, warum eine pauschale Verdienstangabe nicht funktioniert: Schon Raum und Weiterbildung allein unterscheiden zwei Studios so stark, dass jeder Durchschnitt an beiden vorbeigeht.

Die Arbeit, für die dir niemand einen Termin bucht

Neben den Kosten gibt es einen zweiten unsichtbaren Block, und der frisst Stunden statt Euro. Beratung vor der ersten Behandlung, Nachrichten beantworten, Termine verschieben, Erinnerungen schicken, Material bestellen und einräumen, Belege sortieren, Buchhaltung vorbereiten, Fotos machen, Instagram bespielen, Grundreinigung, Wäsche, Preisliste überarbeiten. Nichts davon steht im Kalender, alles davon passiert.

Wer diese Stunden nicht mitzählt, rechnet seinen Stundensatz auf einer Arbeitszeit aus, die es nicht gibt. Die ehrliche Variante ist unangenehm einfach: Führ zwei Wochen lang mit, was du außerhalb der Termine für das Studio tust, und zwar mit Uhrzeit. Danach weißt du, wie viel deiner Arbeitszeit überhaupt am Stuhl stattfindet. Diese Erkenntnis verändert die Rechnung stärker als jede Preisänderung, weil sie den Nenner betrifft und nicht den Zähler.

Dazu kommen die Ausfälle. Eine Absage am Vortag, ein Termin, zu dem niemand erscheint, eine Lücke am Dienstagvormittag, die sich nicht mehr füllen lässt. Diese Zeit ist bezahlt worden, nur nicht von einer Kundin: Die Miete für den Dienstagvormittag läuft weiter. Was du dagegen organisatorisch tun kannst, steht im Ratgeber zum Ausfallhonorar, für die Rechnung hier zählt nur, dass diese Stunden existieren und in deiner Kalkulation auftauchen müssen.

Auslastung schlägt Stundensatz, jedes Mal

Ein hoher Stundensatz auf einem halb leeren Kalender ergibt weniger als ein moderater Satz auf einem gut gefüllten. Das klingt banal, wird aber ständig falsch herum gedacht, weil der Preis sichtbar ist und die Auslastung nicht. Am Preis kannst du an einem Nachmittag drehen. Die Auslastung ist Arbeit über Monate, und genau deshalb ist sie der ehrlichere Hebel.

Realistische Auslastung heißt außerdem nicht, dass jede Stunde deiner Öffnungszeit mit einem Termin belegt ist. Zwischen zwei Kundinnen brauchst du Puffer, sonst verschiebt eine einzige Verspätung deinen ganzen Tag. Du brauchst Zeit für die unbezahlte Arbeit von oben. Du brauchst Tage, an denen niemand kommt, weil du sonst nicht durchhältst. Eine Auslastung, die nur auf dem Papier funktioniert, hält keine Saison.

Für die Rechnung heißt das: Setz nicht deine Wunschzahl an Terminen ein, sondern die, die du in einer normalen Woche wirklich geschafft hast. Wenn du neu startest und noch keine normale Woche hattest, rechne die Sache lieber zweimal, einmal mit einem vorsichtigen und einmal mit einem zuversichtlichen Wert. Der Abstand zwischen beiden Ergebnissen zeigt dir, wie stark dein Verdienst an der Auslastung hängt, und das ist die eigentlich wichtige Information.

Zwölf volle Monate hat niemand

Die meisten Rechnungen nehmen das Ergebnis einer guten Woche und multiplizieren es mit zweiundfünfzig, oder sie nehmen einen guten Monat und multiplizieren mit zwölf. Beides beschreibt ein Jahr, das es nicht gibt. Du hast Urlaub, sonst brennst du aus. Du wirst krank, und im Gegensatz zum Angestelltenverhältnis fällt dann der Umsatz weg und die Kosten laufen weiter. Feiertage fallen auf Arbeitstage. Zwischen den Jahren ist ruhiger, in manchen Regionen auch der Hochsommer.

Rechne deshalb mit den Wochen, in denen du wirklich am Stuhl sitzt, und leg die geplante Auszeit vorher fest, statt sie am Jahresende als Ausfall zu entdecken. Dein Urlaub ist kein Ausrutscher in der Statistik, er ist eine Kostenposition. Sichtbar wird das erst, wenn du deine Jahreskosten durch die tatsächlichen Arbeitsstunden teilst und nicht durch die theoretischen. Der Kostensockel pro Stunde steigt dabei spürbar, und genau dieser Sprung fehlt in jeder Verdienstangabe, die du im Netz findest.

Schritt für Schritt

So kommst du an deine eigene Zahl

  1. Schritt 1Ein Jahr Kosten zusammentragen. Nimm alle Posten aus der Liste oben und trag sie für zwölf Monate zusammen, aus deinen echten Belegen. Was du nur einmal im Jahr zahlst, gehört genauso dazu wie die monatliche Miete. Wer neu startet, nimmt Angebote und Preisanfragen statt Schätzungen aus Foren.
  2. Schritt 2Material pro Behandlungsart trennen. Neuanlage und Auffülltermin verbrauchen unterschiedlich viel. Rechne beide getrennt, sonst verschwindet der Unterschied in einem Mittelwert, der für keine der beiden stimmt.
  3. Schritt 3Türzeit messen, nicht schätzen. Stoppuhr an, für jede Terminart, an mehreren Tagen. Vom Vorbereiten bis zum aufnahmebereiten Raum. Was du schätzt, schätzt du zu kurz, das ist bei allen so.
  4. Schritt 4Echte Arbeitswochen festlegen. Zieh Urlaub, Feiertage und einen Puffer für Krankheit vom Jahr ab. Übrig bleiben die Wochen, in denen Umsatz entstehen kann. Mit dieser Zahl rechnest du weiter, mit keiner größeren.
  5. Schritt 5Unbezahlte Stunden dazuzählen. Trag die zwei Wochen Protokoll von oben ein und rechne hoch. Deine Arbeitszeit ist Termine plus dieser Block, und beides zusammen muss aus dem Umsatz der Termine bezahlt werden.
  6. Schritt 6Steuern und Beiträge separat halten. Diese Summe ist kein Verdienst und gehört auf ein eigenes Konto. Die Höhe klärst du mit deiner Steuerberatung, nicht mit einer Faustregel aus einer Facebook-Gruppe.
  7. Schritt 7Deinen Gewinn als Position eintragen, nicht als Rest. Schreib hin, was du monatlich zum Leben brauchst und was du zusätzlich zurücklegen willst. Erst wenn diese Position oben in der Rechnung steht, kommt unten ein Preis heraus, der sie trägt.

Der Zusammenhang dahinter lässt sich in einer Zeile mit Platzhaltern schreiben, die Buchstaben stehen dabei für deine eigenen Werte und sind bewusst frei gewählt, weil jede Beispielzahl an dieser Stelle in die Irre führen würde. Nenn deine Jahreskosten A, deine tatsächlichen Arbeitsstunden im Jahr B, deinen Zielgewinn plus Rücklage C. Dann ist dein Kostensockel pro Stunde A geteilt durch B, und dein nötiger Stundensatz ist A geteilt durch B plus C pro Stunde. Der Preis einer Behandlung ist dieser Stundensatz mal die Türzeit dieser Behandlung, plus das Material für genau diese Behandlung.

Dein Verdienst ist am Ende, was übrig bleibt, wenn du deinen tatsächlichen Umsatz nimmst und A sowie die Steuer- und Beitragsrücklage abziehst. Das ist die einzige Zahl, die für dich gilt. Sie ändert sich, sobald sich Miete, Einkauf, Tempo oder Auslastung ändern, und deshalb ist diese Rechnung nichts, was du einmal machst. Einmal im Jahr wieder anschauen reicht, aber weniger nicht.

Setz an jede Stelle deine eigenen Werte ein. Beträge aus fremden Studios, aus Verdienstartikeln oder aus Gruppen bringen dich hier keinen Schritt weiter. Für alles, was Steuern und Sozialversicherung betrifft, ist die Steuerberatung zuständig, nicht eine Ratgeberseite.

Fünf Anzeichen, dass deine Preise deinen Verdienst nicht tragen

Meistens merkst du es nicht an der Kalkulation, sondern am Alltag. Diese fünf Beobachtungen tauchen bei zu niedrigen Preisen fast immer gemeinsam auf. Volle Wochen, die sich auf dem Konto nicht abbilden. Materialbestellungen, die jedes Mal wehtun, obwohl du sie brauchst. Urlaub, den du dir nicht nimmst, weil er sich wie ein Verlust anfühlt. Absagen, die dich in Panik versetzen statt zu ärgern. Und der Gedanke, doch noch einen Termin dranzuhängen, obwohl der Tag schon lang war.

Kommt dazu noch, dass du bei Sonderwünschen nichts berechnest und bei knapp gewordenen Wimpern trotzdem den Auffüllpreis nimmst, hast du zwei Baustellen gleichzeitig. Die eine ist der Preis, die andere sind deine Regeln. Wo die Grenze zwischen Auffüllen und Neuanlage sauber liegt und wie du sie deinen Kundinnen sagst, steht im Ratgeber Refill oder Neuanlage. Für die Erhöhung selbst, also für Zeitpunkt, Ankündigung und Wortwahl, ist Preise erhöhen im Wimpernstudio die passende Seite.

Und eine Warnung zum Schluss: Wer den fehlenden Verdienst über mehr Termine ausgleichen will, verkauft Stunden, die er nicht hat. Das funktioniert ein paar Monate und endet in schlechterer Arbeit, in Rückenschmerzen oder in beidem. Der Weg über die Rechnung ist unbequemer, aber er ist der einzige, der auch im dritten Jahr noch trägt.

Kurz beantwortet

Die Fragen, die dabei aufkommen

Was verdient eine Wimpernstylistin im Monat?

Diese Frage hat keine seriöse Antwort in Form einer Zahl. Der Verdienst hängt an deiner Region, deiner Auslastung, deinen Preisen, deinem Tempo am Stuhl und vor allem an deinen Kosten. Zwei Stylistinnen mit derselben Preisliste können am Monatsende zwei völlig verschiedene Beträge übrig haben. Deshalb steht hier eine Rechnung statt einer Zahl.

Warum nennen andere Seiten konkrete Verdienstzahlen?

Weil eine Zahl leichter zu lesen ist als eine Rechnung. Nur stammt sie fast immer aus einer fremden Kostenstruktur oder aus einer Umfrage ohne nachvollziehbare Grundlage. Wer damit plant, plant mit dem Studio einer anderen. Nimm solche Angaben höchstens als Hinweis darauf, dass jemand nachgerechnet hat, nie als deinen eigenen Maßstab.

Wie viel muss ich für Steuern und Sozialversicherung zurücklegen?

Das hängt von deiner Rechtsform, deinem Wohnsitz und deiner persönlichen Situation ab, und genau deshalb steht hier kein Prozentsatz. Frag deine Steuerberatung, bevor du die Rücklage schätzt. Wichtig für die Rechnung auf dieser Seite ist nur eins: Steuern und Beiträge sind eine eigene Position und kein Teil deines Verdienstes.

Zählt ein Auffülltermin in der Rechnung wie eine Neuanlage?

Nein, und das ist eine der häufigsten Stellen, an denen die Rechnung kippt. Ein Auffülltermin ist meist kürzer als eine Neuanlage, die Türzeit drumherum bleibt aber fast gleich, weil Vorbereitung, Desinfektion und Aufräumen unabhängig von der Behandlungsdauer anfallen. Rechne beide Terminarten getrennt durch, sonst subventionierst du die eine mit der anderen.

Woran merke ich, dass mein Preis den Verdienst nicht trägt?

Am deutlichsten daran, dass volle Wochen sich nicht auf dem Konto abbilden. Weitere Anzeichen: Materialnachschub tut jedes Mal weh, Urlaub fühlt sich finanziell wie ein Verlust an, und du überlegst bei einer Absage sofort, wie du die Lücke füllst. Wenn zwei davon zutreffen, liegt das Problem in der Kalkulation und nicht in deiner Disziplin.

Du hast gerechnet und das Ergebnis gefällt dir nicht?

Dann ist die Rechnung nicht das Problem, sondern das, was darunter liegt: Tempo, Preis, Auslastung oder Ablauf. Genau daran arbeite ich in meinen Programmen über drei Monate, mit deinen echten Zahlen und deinen echten Kundinnen.

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