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Für Wimpernstylistinnen · Ablauf und Preis

Refill oder Neuanlage entscheidet sich vor dem Termin, nicht am Stuhl.

Die Kundin sitzt schon, du siehst den Bestand, und dir ist klar: Das wird keine Auffüllung mehr. Jetzt ist der schlechteste Moment, um über Preise zu reden. Wer eine Refill-Regel hat, führt dieses Gespräch nicht mehr, sondern nennt nur noch, was ohnehin feststeht.

Melde dich, wenn es dir zu wenig wird, ist keine Regel

Kundinnen können ihren eigenen Bestand nicht beurteilen. Sie sehen keine Verbindungen, sie sehen ein Gesamtbild, und das kippt spät. Solange der Look von vorne noch passt, ist für sie alles in Ordnung, auch wenn seitlich schon die Hälfte fehlt. Wer die Entscheidung an dieses Gefühl hängt, bekommt Termine, die im Kalender Auffüllung heißen und in der Kabine eine Neuanlage sind.

Dabei ist der Zeitpunkt vorhersagbar. Pro Auge fallen täglich ungefähr eine bis fünf Naturwimpern aus, das ist Biologie und kein Fehler in deiner Arbeit. Deshalb liegt der Auffülltermin als Faustregel nach zwei bis drei Wochen. Fällt eine Kundin nach sieben bis zehn Tagen auf, ist das kein Terminthema, sondern ein Haltbarkeitsthema, und dafür gibt es einen eigenen Ratgeber zur Fehlersuche bei schlechter Haltbarkeit.

Eine Regel nimmt dir zwei Dinge ab: die Schätzung im Termin und das Verhandeln danach. Beides kostet dich mehr Kraft als die Behandlung selbst, weil du es bei jeder Kundin neu machst. Und beides fällt weg, sobald die Entscheidung vor dem Termin gefallen ist.

Die Grenze definierst du selbst, aber nicht aus dem Bauch

Zwei Größen entscheiden: der Abstand zum letzten Termin und der Restbestand an intakten Verbindungen. Der Abstand ist der Vorfilter, weil er schon bei der Buchung bekannt ist. Der Restbestand ist die Bestätigung, die du am Anfang des Termins siehst. Beide brauchst du, denn eine Kundin mit dichtem Naturbestand sieht nach vier Wochen anders aus als eine mit feinem.

Wo genau deine Grenze liegt, kann dir niemand von außen sagen, und jede Zahl, die im Netz als Branchenstandard verkauft wird, ist eine erfundene. Was du stattdessen machst: Schreib bei deinen nächsten Auffüllterminen mit, wie viel Zeit du wirklich am Auge warst, wie lange der letzte Termin her war und wie viel Bestand du vorgefunden hast. Nach ein paar Wochen siehst du in dieser Liste den Punkt, ab dem sich das Auffüllen zeitlich einer Neuanlage annähert. Genau dort gehört deine Grenze hin, und nicht dorthin, wo sie im Gefühl gerade noch fair klingt.

Wichtig ist, dass die fertige Regel ohne Schätzen funktioniert. Formulier sie so, dass sie an einem Datum und an einem sichtbaren Zustand hängt, nicht an einem Eindruck. Dann kannst du sie einer Kundin am Telefon erklären, deine Vertretung kann sie anwenden, und du selbst musst sie am dritten Termin des Tages nicht neu erfinden.

Im Termin

Der Refill-Termin, Schritt für Schritt

  1. Schritt 1Vor dem Termin: Abstand prüfen. Der Blick in den Kalender kostet dich zehn Sekunden und beantwortet die Frage meistens schon. Liegt der letzte Termin weit außerhalb deines Intervalls, schreib der Kundin vorher, dass ihr voraussichtlich eine Neuanlage macht, mit Preis und Dauer. So kommt sie informiert an, kann den Termin verschieben, wenn ihr die Zeit fehlt, und du sparst dir das Gespräch bei geöffneter Tür.
  2. Schritt 2Am Anfang: schauen, bevor du etwas entfernst. Bestand zählen oder zumindest sicher einschätzen, die Sitzrichtung der alten Fächer prüfen, auf verdrehte Verbindungen und Kleberreste achten, und den Zustand von Naturwimper und Lidkante beurteilen. Rötung, Schuppung oder gereizte Ränder sind ein eigener Gesprächspunkt und keine Nebensache. Wer zuerst entfernt und danach schaut, hat die Entscheidung schon getroffen, ohne sie getroffen zu haben.
  3. Schritt 3Entscheidung aussprechen, bevor die Pinzette in die Hand kommt. Zwei Sätze reichen: was du siehst und was daraus folgt, inklusive Preis und Dauer. Diese Reihenfolge ist der ganze Trick. Wer erst arbeitet und beim Bezahlen den anderen Preis nennt, bekommt eine Diskussion, in der die Kundin recht hat, weil sie es nicht wissen konnte.
  4. Schritt 4Alte Fächer entfernen, was raus muss. Alles, was verdreht sitzt, nach außen gewandert ist, mehrere Naturwimpern verbindet oder auf einer Wimper sitzt, die kurz vor dem Ausfall steht. Diese Verbindungen sparen dir jetzt Zeit und kosten dich in zwei Wochen die Haltbarkeit, für die deine Kundin dich weiterempfiehlt. Was sauber und richtig sitzt, bleibt.
  5. Schritt 5Auffüllen und dabei mitdenken. Die neu gewachsenen Naturwimpern sind kurz und tragen anders als die alten, deshalb ist ein Refill kein reines Nachsetzen derselben Länge. Wenn dir dabei auffällt, dass an bestimmten Stellen regelmäßig zu wenig übrig ist, ist das ein Hinweis auf Technik, Material oder Pflege und nicht auf den Terminabstand.
  6. Schritt 6Nächsten Termin sofort buchen, noch bevor sie aufsteht. Solange das Ergebnis frisch ist, ist die Bereitschaft am höchsten. Ein gebuchter Folgetermin im richtigen Abstand ist die einzige Maßnahme, die dein Refill-Problem dauerhaft löst, weil danach keine Grenzfälle mehr entstehen.

Die Grenze ist eine Rechnung, keine Geschmacksfrage

Ein Auffülltermin ist auf eine bestimmte Arbeitszeit kalkuliert. Wenn kaum noch Bestand da ist, machst du die Arbeit einer Neuanlage: dieselbe Anzahl Verbindungen, dasselbe Material, dieselbe Konzentration. Nur der Preis bleibt der alte. Genau dieser Fall frisst die Marge, an der du an anderer Stelle mühsam feilst.

Der Effekt ist außerdem verkehrt herum verteilt. Kundinnen, die im Rhythmus bleiben, zahlen den Preis für eine Leistung, die dich weniger Zeit kostet. Kundinnen, die lange wegbleiben, zahlen weniger für eine Leistung, die dich mehr Zeit kostet. Wer zuverlässig ist, finanziert damit den Rest. Sobald du das einmal so aufschreibst, ist die Grenze keine unangenehme Regel mehr, sondern die Voraussetzung dafür, dass deine Preisliste überhaupt stimmt. Wie du deinen Stundensatz dafür sauber rechnest, steht im Ratgeber zum Thema Preise erhöhen im Wimpernstudio.

Dreimal gesagt, bevor sie das erste Mal gilt

Eine Regel, die erst im Konfliktfall auftaucht, wirkt wie eine Ausrede. Deshalb gehört sie an drei Stellen hin, und zwar lange bevor du sie brauchst. Erstens ins Gespräch bei der Neuanlage: Wenn du erklärst, wie der natürliche Wechsel funktioniert, sagst du im selben Atemzug, in welchem Abstand aufgefüllt wird und was passiert, wenn dieser Abstand deutlich überschritten wird. Das ist keine Drohung, das ist Teil deiner Beratung, und es lohnt sich, dafür feste Formulierungen zu haben statt jedes Mal neue.

Zweitens schriftlich, dort wo ohnehin unterschrieben wird. Deine Preisliste nennt Auffüllen und Neuanlage getrennt, und deine Unterlagen sagen, wovon das eine oder das andere abhängt. Wie ein sauberer Bogen aufgebaut ist, steht im Ratgeber zum Aufklärungsbogen für die Wimpernverlängerung. Drittens in der Terminerinnerung: ein kurzer Satz, der den gebuchten Leistungsumfang nennt, verhindert die Überraschung an der Tür. Wer selbst online bucht, sieht denselben Hinweis im Buchungstext.

Drei Kanäle klingen nach viel, sind aber einmal Arbeit. Danach steht der Satz und du sagst ihn immer gleich. Genau diese Gleichheit ist es, die Diskussionen beendet, nicht die Strenge.

Sie kommt nach fünf Wochen und rechnet mit dem Refill-Preis

Dieser Moment entscheidet sich in den ersten dreißig Sekunden. Sag es freundlich, sachlich und bevor du anfängst zu arbeiten: was du siehst, dass es damit eine Neuanlage ist, was sie kostet und wie lange sie dauert. Danach fragst du, ob die Zeit heute passt. Diese Frage ist wichtig, denn sie gibt der Kundin eine echte Entscheidung zurück und nimmt dem Gespräch den Druck.

Was du nicht tun solltest, ist mitten in der Behandlung nachverhandeln. Wer einmal während des Termins nachgibt, hat die Regel für diese Kundin abgeschafft, und beim nächsten Mal beginnt dasselbe Gespräch eine Stufe früher. Kulanz ist trotzdem erlaubt, sie muss nur benannt sein: Diesmal rechne ich es als Auffüllen ab, ab dem nächsten Termin gilt die Regel. Ein Satz, keine Diskussion.

Und wenn deine Regel bisher nirgends stand, dann geht dieser eine Fall auf deine Kappe. Das ist billiger als eine Kundin zu verlieren, die nichts falsch gemacht hat. Danach sorgst du dafür, dass genau das nicht noch einmal passiert, weil die Regel ab sofort in der Preisliste, im Bogen und in der Erinnerung steht.

Feste Intervalle sind auch ein Terminplan

Sobald deine Kundinnen in einem verlässlichen Abstand kommen, weißt du Wochen im Voraus, wie voll deine Tage sind. Du kannst Auffülltermine und Neuanlagen so verteilen, dass die langen Behandlungen nicht alle in derselben Woche liegen, und du siehst Lücken früh genug, um sie zu füllen. Ohne Rhythmus arbeitest du dagegen dauernd reaktiv und weißt bis zum Vortag nicht, was auf dich zukommt.

Mit den Absagen hängt das direkt zusammen. Ein fester Folgetermin, der schon im Kalender steht, wird seltener vergessen als eine vage Absicht, sich zu melden. Und wenn doch abgesagt wird, ist ein ausgefallener Refill teurer, als er aussieht: Die Kundin rutscht aus dem Intervall, der nächste Termin wird länger, und dieser längere Termin blockiert den Platz einer anderen. Wie du eine Absagefrist regelst und was nach einem Nichterscheinen wirklich hilft, steht im Ratgeber zu Ausfallhonorar und No-Shows.

Wenn du ständig Ausnahmen machst, stimmt die Regel nicht

Drei Zeichen sagen dir, dass nachjustiert werden muss. Du machst regelmäßig Ausnahmen, weil sich die Regel im Einzelfall unfair anfühlt. Deine Auffülltermine laufen immer wieder über die geplante Zeit. Oder du diskutierst wieder, obwohl alles ausgeschrieben ist. Jedes dieser Zeichen bedeutet, dass die Grenze am falschen Punkt liegt oder zu kompliziert formuliert ist.

Ändern läuft dann wie das Einführen, nur schneller. Sammle zuerst wieder Zeiten aus echten Terminen, statt nach Gefühl zu verschieben. Ändere eine einzige Größe, entweder den Abstand oder den Bestand, damit du hinterher weißt, was gewirkt hat. Setz ein Datum, ab dem die neue Fassung gilt, sag sie allen im selben Wortlaut und zieh nach ein paar Wochen Bilanz: weniger Diskussionen, planbarere Termine, Auffüllzeiten wieder im Rahmen. Eine Regel, die du zweimal im Jahr anfasst, ist gepflegt. Eine, die du in jeder Kabine neu verhandelst, gibt es nicht.

Kurz beantwortet

Die Fragen, die dabei aufkommen

Ab wann ist es keine Auffüllung mehr, sondern eine Neuanlage?

Das legt jedes Studio für sich fest, eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht. Sinnvoll ist die Grenze dort, wo dich das Auffüllen ungefähr so viel Zeit kostet wie eine neue Anlage. Diesen Punkt findest du, indem du bei den nächsten Refills die reine Arbeitszeit mitschreibst und mit deiner Neuanlagezeit vergleichst. Ab dann rechnest du auch so ab.

Wie oft sollte eine Kundin zum Auffüllen kommen?

Als Faustregel gilt ein Auffülltermin nach zwei bis drei Wochen. Pro Auge fallen täglich ungefähr eine bis fünf Naturwimpern aus, das ist der natürliche Wechsel und kein Mangel an deiner Arbeit. Wie eng der Abstand bei einer einzelnen Kundin sein muss, hängt an ihrem Bestand, ihrem Wachstum und daran, wie voll ihr Look aussehen soll.

Was schaue ich mir beim Refill an, bevor ich alte Fächer entferne?

Wie viele Verbindungen noch intakt sitzen, wie die alten Fächer stehen, ob Kleberreste oder verklebte Naturwimpern zu sehen sind und in welchem Zustand Naturwimper und Lidkante sind. Das entscheidet, ob überhaupt aufgefüllt wird und wie lange du brauchst. Wer zuerst entfernt und danach schaut, hat die Entscheidung schon aus der Hand gegeben.

Meine Kundin kommt nach fünf Wochen und will den Refill-Preis. Was sage ich?

Sag es freundlich, kurz und bevor du anfängst: bei diesem Abstand ist es eine Neuanlage, sie kostet X und dauert Y. Verhandeln solltest du das nicht im Termin, sonst wird deine Regel zur Verhandlungsbasis. Wenn deine Regel bisher nirgends stand, mach dieses eine Mal eine angekündigte Ausnahme und sorg dafür, dass sie ab dann schriftlich steht.

Wie führe ich eine Refill-Regel ein, wenn ich bisher keine hatte?

Leg die Regel komplett fest, setz ein Datum, ab dem sie gilt, und sag sie vorher allen Kundinnen im selben Wortlaut. Danach steht sie in der Preisliste, im Aufklärungsbogen und in der Terminerinnerung. Einzelabsprachen in der Kabine sind der schnellste Weg zurück in die Diskussion.

Du weißt, dass deine Regel nicht trägt, und traust dich nicht an die neue?

Dann schauen wir uns deine echten Termine an: Abstände, Zeiten, Preise. Genau daraus wird eine Regel, die du im Alltag auch durchhältst. Das ist Teil meiner Programme.

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