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Für Wimpernstylistinnen · Hygiene und Dokumentation

Das Gesundheitsamt fragt nicht, ob du sauber arbeitest. Es fragt, wo das steht.

Fast jede Stylistin, die ich kenne, arbeitet hygienisch. Trotzdem wird es beim Termin mit dem Amt unangenehm, weil der Ablauf im Kopf sitzt und nicht auf Papier. Hier steht, was ein Hygieneplan abdeckt, in welcher Sprache er geschrieben ist und woran es bei einer Begehung in der Praxis hakt.

Was ein Hygieneplan ist, und was er nicht ist

Ein Hygieneplan ist eine schriftliche Beschreibung deiner Abläufe. Für jeden Bereich beantwortet er vier Fragen: Was wird behandelt, womit, wie lange und wie oft, und wer macht es. Mehr steckt nicht dahinter. Genau diese Nüchternheit ist der Grund, warum ein guter Plan auf wenige Seiten passt und trotzdem etwas wert ist.

Schriftlich muss er sein, weil ein Ablauf im Kopf nicht überprüfbar ist. Er ist außerdem nicht übergabefähig. Sobald eine zweite Person im Studio arbeitet, eine Aushilfe einspringt oder du selbst nach zwei Wochen Urlaub zurückkommst, entscheidet das Papier und nicht die Erinnerung. Und wenn tatsächlich einmal eine Kundin eine Reizung meldet, ist der Plan zusammen mit deiner Dokumentation das Einzige, womit du zeigen kannst, wie an diesem Tag gearbeitet wurde.

Was ein Hygieneplan nicht ist: eine Datei aus dem Internet, die ungelesen im Ordner liegt. Genau das ist der häufigste Fall. Im Plan steht ein Mittel, im Regal steht ein anderes, und damit ist das Papier nicht nur nutzlos, sondern ein Beleg dafür, dass niemand hineingesehen hat.

Ein Hinweis, der hier hingehört und danach nicht mehr wiederholt wird: Diese Seite ist Orientierung aus dem Studioalltag, keine Rechtsberatung. Die Anforderungen an Kosmetik- und Wimpernstudios sind je nach Bundesland und zuständigem Amt unterschiedlich geregelt. Was konkret für dein Studio gilt, sagt dir dein Gesundheitsamt, und dort fragst du im Zweifel nach, bevor du dich auf eine allgemeine Empfehlung verlässt.

Reinigen, desinfizieren, sterilisieren: drei Stufen, drei Zwecke

Diese drei Begriffe werden im Alltag durcheinandergeworfen, und aus dem Durcheinander entstehen die meisten Fehler. Reinigung entfernt Sichtbares: Kleberreste, Fett, Staub, Wimpernreste. Desinfektion senkt die Keimzahl auf ein Maß, das für den jeweiligen Zweck als sicher gilt. Sterilisation ist die Stufe darüber und macht ein Instrument keimfrei, sie braucht ein Gerät und einen kontrollierten Prozess.

Wichtig ist die Reihenfolge, nicht die Wortwahl. Desinfektion auf einer verschmutzten Oberfläche wirkt nicht zuverlässig, weil das Mittel gar nicht an die Keime kommt. Erst reinigen, dann desinfizieren, dann trocknen und verschlossen lagern: Dieser Dreischritt gilt für Pinzetten genauso wie für die Arbeitsfläche.

Im Wimpernstudio liegt der Schwerpunkt eindeutig auf den ersten beiden Stufen. Ob deine Instrumente darüber hinaus sterilisiert werden müssen, hängt davon ab, wie du arbeitest und was dein zuständiges Amt verlangt. Das ist einer der Punkte, bei denen sich die Antworten regional unterscheiden, deshalb ist hier Nachfragen billiger als Raten.

Für die Mittel selbst gilt eine einfache Regel: Auf dem Etikett stehen Wirkbereich, Konzentration und Einwirkzeit, und genau diese Angaben gehören in deinen Plan. Ein Mittel wirkt nicht schneller, weil du es eilig hast. Wenn die Einwirkzeit nicht eingehalten wird, ist der Arbeitsschritt nicht gemacht, auch wenn die Fläche danach sauber aussieht. Welche Nachweise oder Listen dein Amt für Desinfektionsmittel sehen will, erfragst du dort.

Der Aufbau

Sieben Bereiche, die in jedem Plan vorkommen

  1. Bereich 1Hände und Haut. Der Bereich, der am häufigsten unterschätzt wird, weil er so selbstverständlich wirkt. In den Plan gehört, wann gewaschen und wann desinfiziert wird, mit welchem Mittel, in welcher Menge und mit welcher Einwirkzeit. Dazu die Regeln drumherum: Ringe und Armbänder ab, Nägel kurz, Handschuhe wechseln statt desinfizieren. Ein Handwaschplatz mit Spender und Einmalhandtüchern ist einer der ersten Punkte, auf die bei einer Begehung geschaut wird.
  2. Bereich 2Instrumente und Pinzetten. Hier beschreibst du den kompletten Weg eines Instruments nach der Behandlung: reinigen, desinfizieren, trocknen, verschlossen lagern. Wenn du im Tauchbad arbeitest, gehören Standzeit und Wechselintervall der Lösung dazu, sonst wird aus dem Bad mit der Zeit ein Reservoir. Halte saubere und unreine Instrumente räumlich getrennt und schreib in den Plan, was Einweg ist und was aufbereitet wird.
  3. Bereich 3Flächen und Geräte. Arbeitsfläche, Ablage, Lampe, Ringlicht, Rollhocker, Griffe, Türklinke, dein Handy. Für jede Position steht im Plan, womit und wie oft gewischt wird, und ob nach jeder Kundin oder einmal am Tag. Der Punkt, an dem es in der Praxis auseinanderfällt, ist immer derselbe: Die Einwirkzeit steht auf dem Etikett, im Ablauf ist sie aber nicht eingeplant.
  4. Bereich 4Liege und Textilien. Einwegauflage oder waschbare Auflage, das ist eine Entscheidung, keine Geschmacksfrage, und sie gehört mit Begründung in den Plan. Bei waschbaren Textilien schreibst du Waschtemperatur und Rhythmus dazu, orientiert an den Angaben des Herstellers. Decken und Kissen sind der klassische blinde Fleck, weil sie nach außen sauber aussehen und trotzdem an jeder Kundin liegen.
  5. Bereich 5Abfall. Getrennt nach dem, was anfällt: benutzte Pads und Tupfer, kontaminiertes Einwegmaterial, spitze und scharfe Gegenstände, Klebereste und Restmüll. Ein geschlossener Behälter statt eines offenen Eimers neben der Liege, ein fester Entsorgungsweg, und die Frage, wer den Behälter leert und wann. Genau dieser Eimer ist übrigens auch das, was deine Kundin von der Liege aus sieht.
  6. Bereich 6Vorbereitung der Kundin. Anamnese und Aufklärung vor der ersten Behandlung, Reinigung der Wimpern, Pads und Tape, und vor allem: deine Abbruchkriterien. Bindehautentzündung, Gerstenkorn, offene oder gereizte Stellen am Lid, das sind die Fälle, in denen nicht behandelt wird. Wer sie vorher aufschreibt, muss sie am Stuhl nicht diskutieren.
  7. Bereich 7Dokumentation. Der Bereich, der aus dem Plan einen Nachweis macht. Festgehalten wird, wer welchen Schritt wann erledigt hat, abgezeichnet mit Kürzel und Datum. Dazu die Belege, die dazugehören: Etiketten oder Datenblätter deiner Mittel, Nachweise über die Aufbereitung, und bei Mitarbeiterinnen die Unterweisung mit Unterschrift.

Was bei einer Begehung wirklich gefragt wird

Die Vorstellung, dass jemand mit Handschuhen und Wattestäbchen durch dein Studio geht, hat mit dem realen Termin wenig zu tun. Gefragt wird nach dem Plan, nach den Mitteln, die tatsächlich im Regal stehen, und nach deiner Dokumentation der letzten Wochen. Der rote Faden ist Plausibilität: Passt das, was auf dem Papier steht, zu dem, was im Raum liegt.

Typische Fragen in dieser Reihenfolge: Zeigen Sie mir Ihren Hygieneplan. Welches Desinfektionsmittel benutzen Sie und wie lange muss es einwirken. Wo steht das. Wie bereiten Sie Ihre Pinzetten auf und wo lagern Sie sie danach. Wie entsorgen Sie Ihren Abfall. Wo ist Ihre Dokumentation und wer hat sie abgezeichnet.

Die unangenehmste Frage ist meistens die vierte, weil dort der Abgleich zwischen Papier und Praxis stattfindet. Wer den Ablauf im Kopf hat, aber im Plan etwas anderes stehen hat, erklärt sich sonst in eine Ecke hinein. Deshalb lohnt es sich, den eigenen Plan einmal laut durchzusprechen, während man durch den Raum geht, und an jeder Stelle zu prüfen, ob der Satz auf dem Papier zu dem passt, was man gerade sieht.

Die Lücken, die am häufigsten auffallen

Der Plan gehört jemand anderem. Eine Vorlage aus dem Netz, in der Kosmetikbehandlungen beschrieben werden, die im Studio gar nicht stattfinden, und Mittel stehen, die nie gekauft wurden. Anpassen heißt hier: jede Zeile lesen und entweder ändern oder streichen.

Mittel im Plan, anderes Mittel im Regal. Der Klassiker nach einem Lieferantenwechsel. Ein neues Produkt bedeutet neue Konzentration und neue Einwirkzeit, und beides gehört sofort in den Plan, nicht irgendwann.

Einwirkzeit auf dem Papier, nicht im Ablauf. Wenn zwischen Wischen und der nächsten Kundin zwei Minuten liegen, das Mittel aber länger braucht, ist der Schritt nicht erledigt. Das ist keine Formalie, sondern der Unterschied zwischen wirksam und wirkungslos.

Dokumentation rückwirkend ausgefüllt. Vier Wochen in einer Sitzung mit demselben Stift und derselben Handschrift nachzutragen, fällt auf. Zeitnah abzeichnen dauert Sekunden, nachträglich kostet es Glaubwürdigkeit.

Kein sauberer Handwaschplatz. Seifenspender leer, Stoffhandtuch statt Einmalhandtuch, Desinfektionsmittel ohne Öffnungsdatum. Diese Punkte sind in Minuten behoben und fallen trotzdem als Erstes auf.

Textilien und Lagerung. Offene Regale mit Material neben dem Behandlungsplatz, ein Wäschekorb im Raum, Decken ohne festen Wechselrhythmus. Alles Kleinigkeiten, die zusammen den Eindruck kippen lassen.

Niemand ist zuständig. Sobald eine zweite Person mitarbeitet und im Plan keine Namen stehen, macht am Ende jeder das, was er für richtig hält. Zuständigkeit im Plan zu benennen kostet eine Zeile.

Wie oft du den Plan anfasst und wie du dokumentierst

Der Plan wird immer dann geändert, wenn sich etwas ändert: neues Desinfektionsmittel, neuer Ablauf, neuer Raum, neue Mitarbeiterin, neue Behandlung im Angebot. Unabhängig davon lohnt ein fester Termin im Jahr, an dem du von oben nach unten durchgehst, korrigierst und mit Datum abzeichnest. Ein Plan mit Versionsdatum zeigt auf einen Blick, dass er lebt. Ob dein Amt darüber hinaus einen bestimmten Rhythmus oder eine bestimmte Form erwartet, erfährst du dort.

Für die laufende Dokumentation reicht ein einfaches Blatt pro Woche mit den Punkten, die regelmäßig anfallen, und einer Spalte für Kürzel und Datum. Wichtig ist nur, dass es direkt am Ort des Geschehens hängt und nicht in einem Ordner im Nebenraum. Was du dort nicht in dreißig Sekunden abzeichnen kannst, füllst du auf Dauer nicht aus, und dann fehlt genau das, wonach gefragt wird.

Die drei Papiere, die zusammengehören: der Hygieneplan als Beschreibung, der Nachweis als Beleg, dass danach gearbeitet wurde, und die Unterlagen zu deinen Mitteln. Wer diese drei beisammen und aktuell hat, geht deutlich entspannter in einen Termin mit dem Amt.

Kurz beantwortet

Die Fragen, die dabei aufkommen

Brauche ich als Wimpernstylistin überhaupt einen schriftlichen Hygieneplan?

Die Anforderungen an Kosmetik- und Wimpernstudios sind je nach Bundesland und zuständigem Gesundheitsamt unterschiedlich geregelt, deshalb gibt es darauf keine bundesweit gleiche Antwort. In der Praxis wird bei einer Begehung nach einem schriftlichen Plan gefragt, und ohne ihn stehst du schlecht da. Was für dein Studio konkret gilt, sagt dir dein Gesundheitsamt, und genau dort fragst du im Zweifel nach.

Was steht in einem Hygieneplan drin?

Für jeden Bereich vier Angaben: was wird behandelt, womit, wie lange und wie oft, und wer ist dafür zuständig. Also Hände und Haut, Instrumente, Flächen, Liege und Textilien, Abfall, Vorbereitung der Kundin und die Dokumentation. Ein Plan ohne Produktnamen, Konzentration und Einwirkzeit ist eine Absichtserklärung, kein Plan.

Reicht Desinfektion oder müssen meine Pinzetten sterilisiert werden?

Reinigung entfernt Schmutz, Desinfektion senkt die Keimzahl, Sterilisation macht ein Instrument keimfrei. Welche Stufe für deine Pinzetten verlangt wird, hängt davon ab, wie du arbeitest und was dein zuständiges Amt fordert. Die Reihenfolge ist immer gleich: erst reinigen, dann desinfizieren, dann trocken und verschlossen lagern. Ob darüber hinaus sterilisiert werden muss, klärst du beim Amt.

Was passiert bei einer Begehung?

Gefragt wird nach dem Plan, nach den Mitteln, die du tatsächlich benutzt, und nach deiner Dokumentation. Typisch ist der Abgleich: Im Plan steht ein Mittel, im Regal steht ein anderes. Geprüft wird weniger Perfektion als Plausibilität, also ob das, was auf dem Papier steht, im Raum auch so passiert.

Wie oft muss ich den Hygieneplan aktualisieren?

Immer dann, wenn sich etwas ändert: neues Desinfektionsmittel, neuer Ablauf, neuer Raum, neue Mitarbeiterin. Unabhängig davon lohnt ein fester Termin im Jahr, an dem du den Plan von oben nach unten durchgehst und mit Datum abzeichnest. Ob dein Amt darüber hinaus einen bestimmten Rhythmus erwartet, erfährst du dort.

Der Plan steht. Der Rest vom Studio wackelt noch?

Hygiene ist der Teil, der sich am schnellsten sortieren lässt. Preise, Auslastung und Abläufe brauchen länger. Genau daran arbeite ich in meinen Programmen über drei Monate mit dir, mit deinen echten Fällen statt mit Beispielen.

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